Reitschule Bern

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 «NEIN...» 
 
... «das seh ich wirklich nicht so». mo stand in der tür. bereits auf dem flur surrten die worte «wlan», «freifunk», «paral­lele netze», «investieren» durch die luft. «netz für alle ist prinzipiell ne seehr tolle sache» ...Entree
Nr. 316, Februar 08

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die drei am tisch schauten auf «WAS mich daran stört: WIR reissen uns seit jahren, jahrzehn... und hunderten den ARSCH auf. geben uns mühe eine ~alternative zu finden. und wenn sie funktioniert wird sie aufgekauft. ins system einverleibt...» – nic kräuselte die stirn. «freifunk is‘n sozialer...» warf skid müde ein. «DAS ist das PRINzipiell tolle dran» spuckte mo herausfordernd. «heyhey.» ... «kommrunter. komm an‘ntisch. trink‘n tee...» rea wühlte nach blättchen. und feuerzeug... «entschuldigt, aber ich bin tierisch sackig. ... vorhin hörte ich, das auch die torrent-idee von m.soft ~adaptiert wurde. – da bin ich grad übergekocht. ... klar. opensource. alle können drinrumwühlen und selbst was zusammenschustern, patentieren. weil‘s halt‘ne tolle idee ist, oder ...» ... «hier, nimm». rea reichte den tee. schneidend: «... und» ...
«was meinst du eigentlich...» – «WIR versuchen hier die zukunft zu bau‘n, aber du kannst uns gern mit deinen theorien zuwerfen». nic schnaubte. «gaaaanz ruh...»
«ja, nic. lass mo erzählen. vielleicht passt‘s ja.» skid unvermittelt schlichtend ... «wir sollten SOZIALE utopien entwickeln, und NICHT die ~wirtschaft unterstüzen, mit ~verWERTbaren konstruktionen... serverapplikationen. firmwaregebastel, fehlerquellenbehebung mit zeug das wir uns KAUFEN müssen...» ... «wow» ... skid hatte noch kuchenkrümel im mund. rhabarber. von diesem jahr. ausm garten. «NATÜRLICH sind freifunknetze super, ~internet aus der luft und so. die nachbarn wissen mehr, und die schrägdrüben ham die antenne da.»
... in den tee sinnierend ... «und vielleicht passt das ja auch alles gar nicht zu meinen gedanken...» «NATÜRLICH sind diese netze eine supersoziale sache.» nic war immer noch sauer über diese spontane gesprächswendung. -- SIE hatten BEINAHE alles durchgekaut. wieviel undoder was zu besorgen sei, um auch dieser strasse die möglichkeit zu geben. ... und dann kommt mo «auf eimal merkst du in deiner scheiss-wohnschachtel: hei, ka kann ich ja auch einfach so surfen... ja wo kommt DAS denn her. du guckst und schaust und merkst. das kommt von da drüben. ‹ne stunde später sitzt du bei‘ner tasse tee bei den leuten, und ihr diskutiert eine allgemeine nutzungsvereinbahrung. schwupps. monopolist geknickst!» ... «ja. ... ich weiss schon. dabei fällt mir nur die ganze strahlung allgemein auf, und dieser vergleich mit 1xgoogeln =1/2h licht... vielleicht könnte auch unten an der ecke eine ~basis stehen, wo alle rankönnen, weil sie eh alle in irgend einer weise dazu beitragen.» ... «ja, ich glaube, das ist es» ... mo strahlte. «du meinst, warum alle zusammen soviel strom verbrauchen?» skid war irgendwie nicht bei der sache. «das ist ein nebeneffekt. wir müssen räume erschliessen, die VIELEN zugänglich sind. die alle nutzen können. ... und wenn es klappt, andern davon erzählen. dass sie‘s auch so machen können. viele zusammen. überall. paralell UND effizient...» ... «heeey. kommrunter komm ann tisch.» nic hatte nun auch leicht rote ringe unter den augen. ... der teee? «deine wolken sind super. aber irgendwie müssen wir anfangen»; «jagenau. das sag ich ja auch.» «?» ... skid sah aus dem funkkatalog auf... «die idee ist ja super, aber ... können wir nicht anfänglich mehr organisieren. ich meine – auch strukturell – investieren. für längerfristig...»
«ich glaub‘ ich weiss, was du meinst» warf nic ein, «aber dazu fehlen uns eindeutig die kapazitäten.» «klar wär so‘n kleiner laden an der ecke, ein ~strassenzentrum, toll. alle können kommen. du kannst einander kennenlernen. rumsitzen oder surfen, weil du entweder deine kiste auch dort stehen hast, oder an den geräten gebastelt oder auch einfach nur einen kleinen stetigen obulus entrichtest.» ... nic staunte selber «aber das braucht personal ... weer soll das machen??» ... «und überhaupt gibts hierzulande meist quartieeeerlääden ringsrum.» ... skid hatte den faden wieder, aber schien sich zu langweilen. «janein.» mo funkelte. «warst du schonmal in einem?» ... «ähm – ich glaub in beetleheim. mal flyer legen.» «du bliebst auf keinen tee oder sirup?» «hey – nein. keine zeit. ... was machst du mich hier an?» ... skid war ins schwitzen geraten. war ja auch ganz klar. flyerverteiln is‘n scheiss job, um irgendwie was zu beissen zu kriegen... und die firma zahlte nur nach menge. mehr ist mehr. schneller schneller. «was ich meine ist: zitat: quartieeeerlääden.» ... «das gähnt ja richtig! und aber eigentlich geben sich da ein paar leute mühe» «staatlich unterstützt» nic knurrte «unsexy» skid gähnte wieder. «na also, ich hab‘ mal einen gesehen, der war richtig kuschlig» meldete sich rea. «in so‘nem ganz süssen kleinen kietz, drüben in hoburgh»... «eben.» trumpfte mo. «die grösse, oder eben, für wieviele leute das sein soll spielt wirklich eine rolle. wie es – derzeit – finanziert werden soll. es sollen ja auch viele werden. überall...» – «stop» murrte nic. «gleich geht das licht aus. will noch wer was sagen?» ... mo war überhaupt nicht klar, was nic meinte. provokation vermutend und den faden wieder suchend: «wir müssen die gesellschaft ändern, nicht die ...» ‹click›

 
 
       
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