Reitschule Bern

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 Der Tragödie letzter Akt 
 Das WEF vor seinem letzten Jahrestreffen in Davos 
 
Das World Economic Forum (WEF) versucht, nach dem missglückten Davoser Jahrestreffen 2001 und dem damit verbundenen letztjährigen Abstecher nach New York, wieder in der alten Heimat Fuss zu fassen. Tausende von DemonstrantInnen werden das am 25. Januar zu verhindern wissen.Innenland
Nr. 255, Januar 2003

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Tour de Lorraine, 18. Januar 2003

Schon fast traditionell findet eine Woche vor der Demonstration gegen das World Economic Forum in Davos die Tour de Lorraine statt. Mit einem Solifest in sechs Lokalen, die geografisch längst über die Lorraine hinausgehen, wird die Kampagne gegen das WEF unterstützt.

> Café Kairo El Ritschi (Singer/Songwriter, Jolly and the Flytrap), Zeno Tornado & the Booney Google Brothers (Country from Downtown Berne)
> Brasserie Lorraine Flangers (Rock, BE), Dlorean (Alternativ Rock, ZH), memoria-Videothek im Brass-Säli
> Restaurant Du Nord
DJs Goerge Gee & Toni B. (Drum’N’Bass, BE)
> Restaurant O’Bolles Al Mouna (Arabische Musik mit Hussan und Abdu). Arabische Nacht mit Band, BauchtänzerInnen und Essen
> Café Bar Mokka Thun
She DJs Ruby & Pia (Superknallerrock’N’Roll Thun) in Zusammenarbeit mit Antifa Thun

 

Workshops zur Vorbereitung der Demo gegen das WEF

Samstag, 11. Januar, 10.00–18.00 Uhr (inkl. Mittagessen)
Sonntag, 12.1.03, 14.00 Uhr (ab 13.00 Uhr Brunch im Sous le Pont)
Infoladen Grosse Halle Reitschule Bern
Kreatives Transparent-Malen,
Siebdrucken und Fahnen nähen. Wir wollen Transparente und Fahnen als mobile Kunstwerke gestalten. Je nach den Wünschen der TeilnehmerInnen können wir auch 3-D- oder fliegende Transpis kreieren. Dazu wollen wir viele verschiedene Fahnen nähen, die unsere Vielfalt zum Ausdruck bringen. Bringt wenn möglich Scheren, Nadeln, Faden, Güfeli und bunte dünne Stoffe (z.B. Oma-Röcke aus dem Brocki) mit.
In der Siebdruckerei der Reitschule können wir einige Druckvorlagen (Siebe) herstellen für Aufdrucke auf Fahnen und Kleider.
> Samstag, 18. Januar, 10.00 Uhr (inkl. Mittagessen)
Sonntag, 19. Januar, 14.00 Uhr (ab 13.00 Uhr Brunch im Sous le Pont)
Körpertojo der Reitschule Bern
Theatralische Aktionen
Wie können wir durch theatralische Interventionen während der WEF-Tage in Davos irritieren? Wir wollen in der ganzen Landschaft auftauchen: In Supermärkten, Bars, Skipisten, etc.
> Bei allen Workshops ist ein vorzeitige Anmeldung erwünscht: workshops@immerda.ch
> Sonntag, 19. Januar, 14.00 Uhr Frauenraum Reitschule Bern
Workshop: Demoband –
mit Musik nach Davos
Wild & laut sollen sie sein... die Rhythmen und Melodien die wir gemeinsam in Davos spielen werden. Alle Instrumente, schrill-klingende Eigenkonstruktionen, klirrende Alltagsgegenstände, Trillerpfeiffen, Schlaghölzer und Rasseln, etc. sind herzlich willkommen und müssen selber mitgebracht werden.

 

> Infoveranstaltung zur Anti-WEF-Demo
Dienstag, 22. Januar, 20.00 Uhr i-fluss Reitschule Bern
Letzte Tankstelle vor Davos
Austausch von letzten Informationen vor der Demonstration in Davos

 

 

«Vertrauen bilden», lautet das Motto des WEF-Jahrestreffen 2003. Das scheint das WEF nötig zu haben, nachdem wichtige WEF-Partner wie Enron, die Swissair oder der ehemalige ABB- Verwaltungsratspräsident und WEF- Stiftungsratspräsident Percy Barnevik in den letzten Jahren durch korrupte Geschäfte und eine radikale Abzockermentalität aufgefallen sind.
Nach dem Desaster des 2001er Jahrestreffen wurde der Schweizer Krisenmanger Nr. 1, Peter Arbenz, beauftragt, die Probleme des WEF in Davos zu analysieren. In seinem Bericht kam Arbenz zum Schluss, dass das WEF in der Schweiz mit einem Imageproblem zu kämpfen habe und in Zukunft besser eine Demonstration in Davos zulassen und auf die Stacheldrahtromantik verzichten sollte. Mit der WEF-Gegnerschaft soll der Dialog gesucht werden und damit eine Spaltung der DemonstrantInnen erreicht werden.

Das WEF sucht Dialogspartner

Im Frühling 2002 wurde auf Anraten von Arbenz die Stiftung «In the Spirit of Davos» unter Federführung der Bündner Kantonsregierung gegründet. Doch die Stiftung fand unter den WEF-KritikerInnen kaum Ansprechpersonen zum Dialogisieren. Deshalb verzichtet die vom Spirit als Geschäftsführerin angestellte Ex-«Swiss Re»- und WWF-Managerin Carol Franklin darauf, während des WEF 03 aktiv in Erscheinung zu treten. Verzweifelt machte sich darauf der WEF-Oberguru Klaus Schwab auf die Suche nach dialogbereiten NGOs und wurde beim Evangelischen Kirchenbund fündig. Dieser initiierte zusammen mit dem WEF das Open Forum: Mehrere öffentliche Dialogveranstaltungen während des WEF in Davos, bei denen «Wirtschaftsführer» wie Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck-Letmathe oder Novartis-Chef Daniel Vasella mit VertreterInnen der «Zivilgesellschaft» dialogisieren, zum Beispiel mit Paola Dhillani, Geschäftsleiterin der «Max Havelaar»-Stiftung (und ehemalige Marketingleiterin bei Novartis) oder mit Brunsom McKinley, Generaldirektor der «International Organisation for Migration» (und ehemaliger Mitarbeiter der US-Botschaft in Vietnam während des Vietnam-Kriegs).

Das Oltner Bündnis

Von den Organisationen, die in den letzten Jahren an den Protesten gegen das WEF beteiligt waren, hat sich keine in die Schwab’sche Dialogsfalle begeben. Viele dieser Gruppen haben sich im «Oltner Bündnis» zusammengeschlossen und eine gemeinsame Plattform erarbeitet, die für die Abschaffung des WEF einsteht und einen Dialog mit dem WEF ablehnt. Das Spektrum der am Bündnis beteiligten Organisationen reicht von der Anti-WTO-Koordination über attac, die Grünen, die PdA bis zur Theologischen Bewegung, um nur einige zu nennen. Die Gewerkschaften GBI und SMUV haben sich ebenfalls dem Demoaufruf angeschlossen und mobilisieren nach Davos.

Demonstration bewilligt, Demonstrantinnen nicht

Seit dem Sommer verhandelt das Oltner Bündnis mit dem WEF-Ausschuss der Bündner Regierung und Vertretern der Gemeinde Davos. Herausgekommen ist eine Demobewilligung, die über vier A4-Seiten absurde Auflagen beinhaltet (siehe Website des Oltner Bündnis) und eine Bewilligung für ein Informationszelt in Davos, welches das Oltner Bündnis während der gesamten Dauer des WEF betreiben kann. Trotz der Bewilligung ist es jedoch fraglich, ob es überhaupt zu einer Demonstration in Davos kommen wird. Die Ankündigungen der Repressionskräfte, alle Demo-TeilnehmerInnen auf den Zufahrtsachsen zu kontrollieren und 5 bis 10 Prozent von ihnen den Zutritt zu verweigern und stattdessen in Präventivhaft zu nehmen, versteht das Oltner Bündnis als Versuch, die Demo zu spalten – und kann auf keinen Fall akzeptiert werden. Um diese Selektion zu verhindern, ist eine organisierte kollektive Anreise wichtig. Das heisst, die Demo gegen das WEF beginnt spätestens am Samstag morgen, nach dem Verlassen der Häuser, und erfordert ein kluges und solidarisches Vorgehen aller Beteiligter. Die Anreise per Zug und mit Reisebussen wird vom Oltner Bündnis koordiniert. Das Ziel ist, dass alle DemonstrantInnen nach Davos kommen, oder – falls das nicht durchsetzbar ist – dass die Demo auf den Zufahrtsachsen stattfindet. Wie auch immer der 25. Januar ablaufen wird, klar ist: Am 25. Januar werden tausende von Menschen den Weg nach Davos unter die Füsse nehmen und die Rückkehr von Klaus Schwabs Privatclub politisch verunmöglichen.

 
 
      Da lang zum Oltner Bündnis
 
      | luca lamberty |