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 Teilhabe am Informationszeitalter 
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Nr. 276, Oktober 2004

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1 Software die es sehbehinderten oder blinden Menschen ermöglicht, sich den Bildschirminhalt oder auch den Inhalt von Webseiten vorlesen zu lassen.

 

weiterführende links:

www.frank-thissen.de/ sdf_barriere.htm

www.einfach-fuer-alle.de/ artikel/flash/

wwwcs.upb.de/cs/ag-szwillus/ lehre/ws02_03/ seminar/beck/vortrag/index.htm

 

 

 

... so hören sich sehr viele Webseiten an, wenn ein blinder Mensch versucht, den Inhalt einer Webseite über zum Beispiel einen Screenreader1 zu «lesen».

Aber es gibt noch viele andere Stolpersteine im Informationszeitalter, welche es für Menschen mit Behinderungen erschweren «Schritt zu halten».

Das Internet gelangte – wie vorher bereits das Fernsehen – zu einer sehr grossen Verbreitung. Viele Informationen werden ausschliesslich in diesen Medien zur Verfügung gestellt, und darum sollten diese Informationen nicht nur für alle Menschen zugänglich, sondern auch komfortabel nutzbar sein.

Das dies nicht so ist, bestätigte eine Studie der Schweizerischen Stiftung zur behindertengerechten Technologienutzung – Zugang für alle – zu Beginn diesen Jahres.

In dieser sehr empfehlenswerten «Studie über die Behindertentauglichkeit von Schweizer Webseiten» wurden über sechzig Schweizer Webseiten getestet: «Das Resultat ist eher ernüchternd und entspricht unseren Erfahrungen der letzten Jahre. Nicht willentlich, aber aufgrund von Unwissenheit, unnötigen technischen Spielereien und handwerklichen Fehlern ist der Grossteil der Angebote nicht gut nutzbar. Wenige sind sehr gut zugänglich und einige sind katastrophal, das heisst für behinderte Menschen unbrauchbar.»

Was katastrophal zudem bedeutet, lässt sich vielleicht mit dem Resultat der Stiftung «Digitale Chancen» von 2002 bebildern, wonach ungefähr 80 Prozent aller behinderten Menschen das Internet nutzen, im Vergleich zu 50 Prozent des Bevölkerungsdurchschnittes.

Mit Gesetzes Hilfe

In der Schweiz wird versucht, auf Gesetzesebene den schlechten Teilhabemöglichkeiten entgegenzuwirken. Seit Anfang Jahr ist das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) und damit zusammenhängend die Behindertengleichstellungsverordnung (BehiV) in Kraft. In Art. 14 (BehiG) wird die Regierung dazu verpflichtet, behinderten Menschen die Teilhabe am Alltag zu erleichtern. Dazu sollen nicht nur Benachteiligungen im Bereich des Verkehrs und des Bauwesens (siehe auch Artikel auf Seite 22) beseitigt werden, sondern im Speziellen auch im Bereich des Internets.

Europaweit gesehen, forderte der Rat der Europäischen Union seine Mitgliedsländer bereits 2002 auf, derartige Gesetze bis 2005 zu erlassen.
In Deutschland ist seit dem 1. Mai 2002 das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und die «barrierefreie Informationstechnik-Verordnung BITV» für alle Bundesländer verbindlich. Im Detail wird dies jeweils unterschiedlich geregelt, vereinzelt leider noch gar nicht, was in etwa dem aktuellen Zustand von ganz Europa entspricht.
In Amerika gelten entsprechende Leitlinien seit 1998. Zusätzlich wurden die «508 Rules» verfasst: Hinweise für WebdesignerInnen zur Erstellung «barrierefreier Webseiten». Nach diesen Vorgaben wird auch Software entwickelt, um die Benützungsfreundlichkeit von Webseiten zu testen.
Um den Anreiz zu erhöhen, behindertengerechte Webseiten zu erstellen, wird seit 2003 der «Biene Award» für die besten deutschsprachigen Webseiten ausgeschrieben. Die Preisverleihung findet am 3. Dezember in Berlin statt, was sich meines Erachtens recht gut mit dem Motto des diesjährigen Internationalen Tages der behinderten Menschen vereinbaren lässt: «Am gesellschaftlichen Leben teilnehmen».

TV für alle

Doch auch das Fernsehen ist durch seine starke Verbreitung zu einem Teil des gesellschaftlichen Lebens geworden – es wird über Filme gesprochen oder der neueste Tratsch von Lüthi & Blanc erzählt. Es würde tatsächlich auch die «Teilhabe am Alltag erleichtern» helfen, wenn das Fernsehen für hörbehinderte Menschen besser zugänglich wäre. Dieses Problem liesse sich zum Beispiel durch Visualisierung akustischer Informationen (Tonsubstitution) wie Einblendung von Untertitelung und/oder Gebärdensprach-DolmetscherInnen beheben.

Die öffentlich-rechtlichen Sender im deutschsprachigen Europa untertiteln einen Teil ihrer Sendungen, die privaten Sender mit Ausnahme von ProSieben überhaupt nicht. Folgerichtig kommt eine Untersuchung der deutschen Unabhängigen Landesanstalt für das Rundfunkwesen zum Ergebnis, dass generell ein grosses Defizit an Sendungen mit Tonsubstitution im deutschen Fernsehen bestehe.

Hier kann ORF lobend zitiert werden: «Ab Freitag, dem 20. Februar 2004, bietet der ORF erstmals (…) einen Teil seines Spiel- und Fernsehfilmangebots als so genannte ‹Hörfilme› an. Das bedeutet, dass ein Film durch zusätzliche akustische Verstehenshilfen zielgruppengerecht aufbereitet wird. Diese Audiodeskriptionen sind in Dialogpausen eingeschaltete knappe sprachliche Beschreibungen von Bildelementen und Bildfolgen des jeweiligen Films, deren Kenntnis für das Verstehen der Handlung beziehungsweise für das Nachvollziehen von Atmosphärischem wichtig ist. Dadurch (…) wird der visuelle Gehalt des TV-Angebots für die rund 400000 Sehbehinderten beziehungsweise Blinden in Österreich auf dem für sie wahrnehmbaren Weg vermittelt. Ein Hörfilm wird im ORF am Schirm akustisch (mittels Signation) und visuell – durch Einblendung eines entsprechenden Logos – gekennzeichnet und im Zweikanalton-Verfahren ausgestrahlt.»

Aber leider: «… In der Schweiz werden nur 3-Sat, Arte und BR mit zusätzlicher Hörspur gesendet. Alle andern Sender kommen über Satellit, die Tonspur wird nicht übertragen. Mit einer Satellitenschüssel und einem Decoder kann zusätzlich ZDF empfangen werden. Gemäss Cablecom dauert die Digitalisierung, welche die Übertragung der Tonspuren ermöglicht, in der Schweiz noch drei bis vier Jahre.»

 
 
      www.access-for-all.ch
www.w3.org/WAI
www.zielvereinbarung.stero.de
 
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