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Doch noch immer hält sich die Vorstellung, dass die Reitschule ein «offenes Haus» ist. Offen für alle, die sich an die minimalen Grundsätze halten: Kein Rassismus, kein Sexismus, keine Übergriffe, keine Ausbeutung, keine persönliche Bereicherung. Wie verträgt sich das mit verschlossenen Toren? Was ist hier los?
Die Antwort liegt da, dass zahlreiche Leute, die am Projekt «Reitschule für Alle» mitarbeiten, die Schnauze voll haben von Menschen, die den Ort wahrnehmen als eine Art Bahnhofshalle (wo sie allerdings vertrieben werden, wenn sie auf den Treppen hocken), einen Ort zum Abhängen, ihr Mitgebrachtes zu konsumieren, zu verkaufen, die Überreste liegen zu lassen, sich gar noch was Illegales reinzuziehen zum Konsumieren, denn das gibts ja nicht überall. Schliesslich gilt es high zu sein, den bösen Alltag zu vergessen – und zugedröhnt überlebt sichs am besten. Die Leute, die hier arbeiten, wollen Kultur anbieten, sättigende Menus, Filme, Theater, Konzerte, einen Ort zum Diskutieren, sich Auszutauschen, Organisieren, keinen Ort, wo sich andere an der Toleranz der Arbeitenden und der Diskriminierung von Drogen überall sonst in der Stadt bereichern können.
Wir wollen dem Deal auf dem Vorplatz und in der Reitschule ein Ende setzen!
Seit über einem Monat setzen sich die Reitschule-Betreiberinnen wieder ein, den Deal mit harten und weichen Drogen auf dem Vorplatz zu stören. Alle Jahre wieder: Wenn es kalt wird treibt es die Leute, die herumstehen und auf diejenigen warten, die das suchen, was sie in der Tasche haben, oder von dem sie wissen, wer es in der Tasche hat, an die Wärme. Damit tragen sie die schlechte Stimmung, die ihr Geschäft so mit sich bringt, da es um Geld geht, auch in die Räume der Reitschule und zwingen die BetreiberInnen, etwas zu unternehmen. In erster Linie ist es das Ziel, dieser Art von Kundschaft klar zu machen, dass sie hier am falschen Ort ist. Das zeigt insofern Wirkung, als dass Leute mit den Taschen voller Drogen signalisieren, dass sie nichts zu verkaufen haben, so lange eine Präsenz gegen den Deal vorhanden ist. Sobald diese ihnen den Rücken zudreht, geht das Business weiter.
Oft kommt es zu Diskussionen. Wenn nicht gleich Drohungen und Rassismus-Beschimpfungen fallen, wird dabei von Zeit zu Zeit der Vorwurf hörbar, die Reitschülerinnen würden mit der Polizei zusammenarbeiten. Es ist dann müssig zu erklären, dass die Aktionen gegen den Deal, die aus der Reitschule kommen, aus ganz anderen Gründen erfolgen: Entschieden widersprechen die mafiösen Strukturen im Hintergrund der Strassendealer, der Untersten, Ausgebeuteten in einer hierarchischen Ordnung, wie auch der Waffenhandel, der damit finanziert wird, den Reitschule-Grundsätzen. Wenn von hier die Forderung kommt, dass alle Drogen zu legalisieren wären, wird sie nicht gestellt, weil die ReitschülerInnen allesamt Junkies sind, sondern aus dem Bewusstsein, dass auch die Junkies die Untersten – nämlich der sozialen Ordnung – sind. Die Aktionen gegen den Drogenhandel vor der Reitschule entstehen mit dem Bewusstsein darüber, dass Drogen konsumiert werden, trotz und umso mehr wegen der Prohibition. Sie richten sich gegen die Prohibition ebenso wie gegen deren Nutzniessende, und wenn sie nur deren unterste Garde betreffen: Sie richten sich dagegen, dass ein offener Raum als solcher in seiner Existenz gefährdet wird, weil mehr als die angebotene Kultur das Beschaffen und Konsumieren von Substanzen die Leute anzieht, viele sich überwinden müssen, Veranstaltungen zu besuchen oder ein Abendessen im SousLePont zu geniessen. Der Betrieb, die Existenz und das Klima des Freiraums ist gefährdet durch die Gegenwart und die Auswirkungen des Handels mit illegalen Substanzen und deren Konsum.
Die Aktionen gegen den Deal stellen das letzte Ringen um den Freiraum dar, bevor sich die Reitschule den Aktivitäten der Füchse und Glausers der Jungen SVP und deren Initiative zuwenden muss. Reitschule für Alle!… die unsere Grundsätze akzeptieren.
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