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Wer immer noch glaubt, wir häufen Millionen an, wird sich mit diesem Text kaum bestätigt fühlen. Und wer sich über das Quersubventionierungsverhalten in der Reitschule schon mal Gedanken gemacht hat, wird ein paar Antworten finden. Da unser Goldesel gerade an Verstopfung leidet, sehen wir uns gezwungen im Monopoly der Marktwirtschaft mitzuspielen, mit dem Anspruch, ein wenig Weltfremdheit und Träumerei beizubehalten.
Geldquellen
Tauchen wir yalso ein in die Materie: Die Gäste im Frauenraum – die entgegen der Bezeichnung des Lokals auch männlich sein können – bezahlen ein Bier an der Bar. Nur die wenigsten Gäste sind sich bewusst, dass sie sich damit auch in den Verein IkuR eingekauft haben. Denn bei der Konsumation der allermeisten Getränken fliesst ein Prozentsatz des Einkaufpreises direkt auf das Gesamtkonto der Reitschule, auch Pool genannt. Dieser Beitrag ist gleichzeitig der Vereinsbeitrag und ermöglicht allen BesucherInnen zeitweilig zu den lieben und netten Reitschülerinnen zu gehören. Diese interne Steuer wird zwar nicht nur auf Alkohol erhoben, die Idee ist aber, wer sich schon die Lampe füllen will, auch etwas für die (Reitschule-)Kultur tun soll, und wird daher AlkforCulture genannt. Ein Gegenentwurf zu den Subventionen aus öffentlicher Hand – nur ohne tausende administrative Ecken zu umschiffen.
Aber zurück zu unserem Gast, nebst Konsumationen bezahlt sieoderer bei Konzerten und Darbietungen einen Eintritt von maximal 15 Franken, Vergünstigungen gibts für ReitschülerInnen, NachbarInnen, InhaberInnen der Kulturlegi und Hunde. Hier gibts keine Reitschuleübergreifende Regelung, je nach Raum liegen die Eintritte zwischen maximal zwanzig Stutz und soviel man eben bezahlen kann und will (Kollekte). Eintritte und Bareinnahmen sind die beiden Einnahmequellen, aus denen wir uns finanzieren. Ausgabeseitig zu Buche schlagen der Einkauf des Barbestandes, die Gagen der Künstlerinnen, deren Reisespesen, Übernachtung und Verpflegung. Dazu kommen Quellensteuer für nichtschweizerische Künstlerinnen, die Abgaben für die Urheberrechte an die SUISA sowie die Beiträge an den Pool, der für alles Betriebliche aufkommt. Lohnkosten, die in anderen Unternehmen zuoberst rangieren sind hier nicht aufgeführt, weils die nicht gibt. Diesem Umstand ist zu verdanken, dass wir meist sehr entspannt dem Abend entgegen sehen können, ohne um die Zahl der Gäste bangen zu müssen, obwohl wir uns natürlich auch über viele freuen, nur aus anderen Gründen.
gratis und gerne…
Hier gibt es sie noch: die pure, lustvolle Gratisarbeit. Die meiste wird von den Kollektivmitgliedern verrichtet, während wir für grössere Anlässe auf eine Gruppe von Helferinnen zurückgreifen können, die für ein, zwei Getränke, dem Eintritt und einem Frauenraumgutschein von einem Zwanziger für zwei bis drei Stunden hinter Bar oder Kasse stehen. Eine einzige Ausnahme gibts: den Putzlohn. Bei uns ist eben alles ein bisschen anders und für einmal soll das Putzen mehr Wert sein als alle andere Arbeit, und wird meist denen zugehalten, dies gerade am nötigsten haben.
Wie die anderen Räume ist der Frauenraum finanziell unabhängig und führt eine eigene Buchhaltung. Von allen Gruppen gemeinsam wird der Pool unterhalten, das Gesamtreitschule-Konto.
Dies geschieht einerseits über die «Alk-Steuer», die die Reitschulegruppen je nach Höhe der Einkäufe (fast aller Getränke) direkt dem Pool zahlen, den monatlich an die Reitschule zu entrichtenden Mieten, und eine Abgabe pro Eintritt an den Konzerten. Der Pool finanziert daraus die wichtigsten Unterhaltsleistungen, doch dazu mehr später.
… ohne Gewinnstreben
Was übrig bleibt, wenn überhaupt, fliesst auf das Konto des Frauenraums. Wie es im Haus so üblich ist, finanzieren wir die feinen Konzerte, die ein kleineres Publikum ansprechen, mit kommerziell lohnenderen Discos, achten aber gesamthaft darauf, dass diese ein gewisses Mass nicht übersteigen – es hat sich bei einer Disco im Monat eingependelt – gerade noch erträglich. Nicht zu vergessen die Rückstellungen für Neuanschaffungen im Bereich der Technik oder Unterhaltsarbeiten im Raum, solche je nach Kontostand.
Unter nichtkommerziellem Veranstalten verstehen wir nicht nur die Darbietung eines erlesenen und leider oft wenig lukrativen Programms, sondern das Ausklammern allen Gewinnstrebens in unseren Räumlichkeiten. So wie das Kollektiv und die Helferinnen hier keine Kohle machen können, soll sich auch der Frauenraum als Institution nicht bereichern können. Dies bewerkstelligen wir, indem wir laufend Frauenprojekte finanziell unterstützen. Im Jahre 2004 mit insgesamt 2110 Franken.
Die Auswahl der Empfängerinnen folgt dabei keiner speziellen Logik, ausser, dass es Frauen zugute kommen muss und die Organisation nicht gewinnorientiert arbeitet. Im letzten Jahr konnten wir die Mebif (medizinische Beratung für illegalisierte Frauen), den Mädchentreffpunkt Punkt 12, das Frauenhaus, das Mascara, um nur einige zu nennen, unterstützen.
Gelegentlich geben wir den Raum auch frei für externe VeranstalterInnen, bevorzugt an uns ideologisch verwandte Frauengruppen, die keine ähnliche Infrastruktur zur Verfügung haben und so im Rahmen einer Solidaritätsveranstaltung im Frauenraum ihre Finanzen aufbessern können. Aber auch andere Gruppierungen sind willkommen, sofern sie sich an unsere Richtlinien halten und uns ihre Programmierung zusagt. So hatten wir gerade letzten Monat das Offstream Kollektiv bei uns zu Besuch, das alternative gay/lesbian Partys in Zürich anbietet, und über die Vermittlung der HomoAG zu uns gefunden hat. Alles Männer die organisieren, wie trotzdem die Frauenförderung garantieren?
Nebst Erfüllung unserer Veranstaltungskriterien (siehe Kasten), verpflichten wir in solchen Fällen die OrganisatorInnen, alle Gewinne einem Projekt ihrer Wahl zu spenden, das allerdings – man ahnt schon was kommt – Frauen zugute kommen muss. Im Falle der Gothic Night, die Ende Oktober im Frauenraum stieg und auch von externen Veranstaltern ausging, wollten wir eigentlich transsilvanische Fledermäuse sponsern, aber wie nur die weiblichen erreichen…?
In anderen Worten: Bei uns kann sich niemand bereichern und trotzdem finden sich Leute, die mit Wonne den Raum mit Klängen und Kultur füllen und angesichts der einzigartigen räumlichen Gegebenheiten mangelt es nicht an Anfragen von Aussen.
Pool
Kehren wir zurück zur Reitschule und deren Konto, der Mutter aller Geldtöpfe, dem Pool. Die Einnahmen stammen wie erwähnt aus den Abgaben der Arbeitsgruppen für Miete, Alkoholsteuer und Abgeltung pro Eintritt, die Ausgaben lassen sich in drei Berieche einteilen. Der grösste Bazen geht an den Betriebspool, aus dem Steuern, Nebenkosten, Abfallgebühren, die Versicherungen für Mobiliar und Rechtsschutz und vieles mehr abgegolten werden. Dies stellt den Betrieb des Gebäudes sicher. Kleinere Anteile gehen an den Kulturpool, der Kultur innerhalb der Reitschule fördern soll, wie zum Beispiel den Infoladen, der über wenige Einnahmequellen verfügt und neue Bücher anschafft oder 29 Zeitschriften abonniert. Oder das megafon, das trotz ausschliesslicher Gratisarbeit nicht ohne interne Subventionen auskommt. Im Gegenzug verpflichtet sich das megafon das Programm der Reitschule zu sammeln und zu veröffentlichen und alle paar Jahre gibt es ein Sonderheft wie dieses. Ein weiterer Anteil fliesst in den so genannten Politpool, aus dem politische Projekte finanziert werden und in den Baupool, der für Unterhaltsarbeiten zur Verfügung steht.
Über die Reitschule hinaus
In einem äussersten Kreis kümmert sich auch die Stadt um unsere Geldflüsse, wovon der grösste Teil an uns vorbeifliesst. Wie im Rahmen der Abstimmungskampagne 2005 schon verschiedentlichst erläutert, überweist die Abteilung für Kulturelles der Stadt Bern jährlich die Miete direkt an die Stadtbauten Bern, und übernimmt rund die Hälfte der Nebenkosten – dies reicht gerade für die Müllentsorgung aus. Notabene die einzige Subvention seitens der Stadt. |
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