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Das neue BündnisVorplatz informiert
Dass dies auf kurz oder lang die Reitschule zerstören würde, darin waren sich viele ReitschülerInnen einig. Etwas musste getan werden. Ende September 2004 wurde eine weitere Auflage (die wievielte?) des BündnisVorplatz lanciert. Ein Bündnis aus den AGs und wilden Gruppen. Es hatte auch das Ziel, die Kommunikation und das Verständnis zwischen AGs und wilden Gruppen zu fördern.
Wir haben ein Stichwochenende organisiert, nach dem wir keinen Deal mehr tolerieren wollten. Transpis wurden gemalt, mit denen den BesucherInnen schon beim Betreten des Vorplatzes klar gemacht wurde, dass wir hier keinen Deal mehr wollen, auch nicht mit Gras. Tausende Flugblätter wurden verteilt, auf denen immer ein wenig anders, aber immer unmissverständlich gesagt wurde, dass der Deal die Reitschule zerstört. Es gab Anti-Deal-Bieretiketten und Filter gegen den Deal in der Reitschule.
Das BündnisVorplatz greift ein
Nur mit Information verändert sich nirgends etwas. Es braucht «Motivation». Die Idee war, mit vielen Leuten aus allen Gruppen zu zeigen, dass wir den Deal nicht haben wollen, den Dealern den Raum zu nehmen, sie zu verdrängen. Es war abgemachte Sache, viele Leute wussten davon, aber (zu?) wenige halfen mit. Schade. Die Sache wurde deshalb sehr mühsam.
Einige Leute haben tausende Stunden auf dem Vorplatz beobachtet und bei einem beobachteten Deal den Dealer weggeschickt. Zuerst für einen Monat, bald schon haben wir die Frist auf drei Monate erhöht. Nach einiger Zeit haben wir uns zudem auch mit den KäuferInnen beschäftigt, sie wurden informiert und schliesslich ebenfalls weggeschickt.
Mit etwa fünf Leuten pro Abend standen wir rund 40 Dealern gegenüber. Es war unmöglich jeden Deal zu sehen, da die Situation unüberblickbar war und sie sich Mühe gaben, uns abzulenken. Sobald wir nicht mehr auf dem Vorplatz waren, lief der Deal wie eh und je. Jeder erwischte Dealer behauptete, er habe nicht gedealt, wir hätten alles bloss falsch verstanden und überhaupt seien wir RassistInnen. Zuerst haben wir mit jedem diskutiert, doch irgendwann konnten und wollten wir das nicht mehr. Dealer wurden mit Nachdruck weggeschickt, ab und zu gab es mal eine Faust. Gefährlich war es bisweilen auch für uns, einem wurde eine Flasche über den Kopf gezogen, ein anderer wurde mit einem Messer bedroht, diverse Bedrohungen von Einzelpersonen in der Stadt, Drohungen und Morddrohungen etc. Es ist logisch, einige wenige Leute exponierten sich mit dem erklärten Ziel, den Vorplatz dealfrei zu machen. Die Dealer aber dealten nicht zum Spass, es ist ihr Business und das wollten sie sich nicht vermiesen lassen.
Trotzdem haben wir den Deal zeitweise empfindlich gestört. Dealer mussten gehen und erlebten, dass wir es mit unseren Grundsätzen ernst meinen. Sie fühlten sich nicht sicher bei ihrer «Arbeit» und konnten deshalb nicht so offensiv vorgehen, wie sie es sonst gemacht hätten.
Das BündnisVorplatz tritt auch gegen aussen auf
Uns war immer bewusst, dass das Deal-Problem auf dem Vorplatz nicht hausgemacht, sondern eine Folge der städtischen Vertreibungspolitik und der staatlichen Drogen- und Asylpolitik ist. Deshalb haben wir verschiedene Aktionen gegen aussen gemacht, um auf dieses Problem hinzuweisen und Änderung zu fordern.
Am 18. Dezember 2004 gab es eine lustige und fantasievolle Weihnachts-Demo. «Wir wollen den Deal nicht geschenkt», «Wir schenken der Stadt den Deal zurück», war das Motto. Sogar der Samichlaus war gekommen und so schenkten wir der Stadt unsere Probleme zurück. Viele schöne Pakete wurden in der Altstadt hinterlassen.
Seit Anfang 2005 wird jeden Donnerstag in der Pause der Stadtratssitzung vor dem Rathaus gedealt. «Hey, psst Sugar, Cola, Grass, psst...» jedesmal wird auch ein Flugblatt zum Thema verteilt, mal lang, mal kurz, mal lieb mal nicht so. Einige Stadträte werden darob jeweils ziemlich ungehalten. Unverständlich! Wenn nur an einem Tag in der Woche bei der Reitschule gedealt würde… wir wären froh…
Um mehr Menschen zu erreichen, organisierten wir am 25. Juni 2005 eine weitere Demo. «Gegen die herrschende Asyl- und Drogenpolitik, die Menschen und Freiräume zerstört». Rund 300 Menschen folgten unserem Aufruf. Es gab ein schönes Plakat mit Blocher, Hayoz und Mörgeli, das der SVP ziemlich schlecht gefallen hat. Die Demoaufrufe wurden in verschiedenen Sprachen verteilt. Dealer kamen allerdings keine. Wieso auch? Bei einer Drogenpolitik, wie wir sie uns vorstellen, hätte es keinen Bedarf für einen Schwarzmarkt. Doch dies dürfte wohl nicht der einzige Grund gewesen sein. Diese Leute sind einfach irgendwie politisch nicht so engagiert.
Die Zwischenbilanz
Obwohl wir wenige waren, haben wir einiges erreicht: Im Vergleich zum Sommer 2004 hat sich etwas verändert.
Die sexistischen Anmachen auf Schritt und Tritt sind nicht mehr. Seit etwa einem Jahr ist es als Frau möglich, in die Reitschule zu kommen ohne fünf Mal angemacht zu werden.
Die Auseinandersetzungen zwischen oder innerhalb von Dealergruppen gibt es jedoch weiterhin. Mit Fäusten, Messern oder was sonst gerade so da ist. Der Strassendeal ist die unterste Stufe im mafiösen Drogengeschäft, die Dealer sind Verschleissmaterial. Es hat nur Vereinzelte, die sich seit Jahren in und vor der Reitschule herumtreiben. Die meisten anderen kommen und gehen in einem Rhythmus von wenigen Wochen. Dies führt logischerweise zu Rivalitäten, Eifersucht und dies wiederum zu sehr unschönen Szenen auf dem Vorplatz, im Durchgang oder im I fluss. Die Gründe für den stetigen Wechsel der Dealer dürften auch in der herrschenden Drogen- und Asylpolitik zu finden sein. Deshalb werden diese Auseinandersetzungen auf dem Vorplatz erst aufhören, wenn alle Drogen legal sind oder auf dem Vorplatz nicht mehr gedealt wird.
Der Deal war lange nicht mehr so offensiv wie im Sommer 2004. Es wurde weniger gedealt und Dealer und KäuferIn haben sich Mühe gegeben, dies versteckt zu tun.
Dass so wenige Leute die Vorplatzpräsenz nicht ewig durchhalten würden, war uns von Anfang an klar. In den letzten Wochen haben wir die Präsenz auf dem Vorplatz fast auf Null heruntergeschraubt. Wir waren zu frustriert und zu schnell gereizt. So konnte es nicht weiter gehen. Es ist klar, dass die verminderte Präsenz auf dem Vorplatz schnell Auswirkungen zeigt: Vermeintliche KäuferInnen werden wieder angesprochen, wenn wir nicht in Sichtweite sind, Cola und Sugar läuft gut und auch Gras wird wieder vermehrt gekauft. Dass die Sache schon in Kürze wieder ausufern wird, wenn nichts getan wird von Seiten der Reitschule, lehrt uns die Vergangenheit. Doch soweit wird es hoffentlich nicht kommen.
Denn wenn wir gemeinsam anpacken, werden wir es schaffen.
Wir fordern alle BesucherInnen auf, nicht in der Reitschule Gras, Cola oder Sugar zu kaufen und sich bei Deals einzumischen.
Wir fordern alle ReitschülerInnen auf, sich gegen den Deal zu engagieren.
Wir wollen eine Reitschule, in der sich die Menschen an die Grundsätze halten, damit ein solidarisches Miteinander möglich ist. |
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