megafon | die Zeitung aus der Reitschule Bern

About:

Hintergrund

Das erste «megafon», damals noch mit «ph», erschien am 26. November 1987, einige Tage nach der Räumung des Zaffaraya – der Hüttendorfsiedlung auf dem Berner Gaswerkareal an der Aare. Tausende von Menschen solidarisierten sich mit dem Zaffaraya und forderten autonome Freiräume wie die Reitschule, die einige Wochen zuvor wiederbesetzt worden war. Eine solche Bewegung braucht(e) natürlich ein Sprachrohr – ein Megafon – um die Ideen und Hintergründe zu vermitteln.

Seit über 30 Jahren erscheint das megafon. Dass ihm nicht dasselbe Schicksal blühte wie seinen Vorgängerinnen in den 80er Jahren, verdankt es sicher der Reitschule – unter anderem dank Büroräumen und einer hauseigenen Druckerei, wo das megafon Monat für Monat gedruckt wird. Und natürlich könnte das megafon als unabhängige und werbefreie Zeitung ohne die komplett ehrenamtliche Selbstausbeutung der im Kollektiv Mitwirkenden nicht überleben.

Zu Beginn erschien das megafon noch wöchentlich als Sprachrohr der Bewegung, die sich in der Reitschule etablierte, und wurde hauptsächlich unter den Reitschule-Besucher*innen und auf der Strasse verteilt, nach kurzer Zeit schon konnte das megafon auch abonniert werden. 1992 modernisierte sich das damals serbelnde, mittlerweile 2-wöchentlich erscheinende, megafon, indem das «ph» durch das «f» ersetzt wurde, die Redaktion und das Format sich vergrösserte und ein Veranstaltungsprogrammteil mit Plakat beigelegt wurde. Seither erscheint das megafon monatlich.

2002 ist wieder ein Jahr des Umbruchs. Nach sorgfältigen Recherchen bezüglich der Leser*innen-Bedürfnisse wurde der Inhalt teilweise neu strukturiert und ausgebaut. Neu gibt es regelmässig Berichte aus den Reitschule-Räumlichkeiten, dem politischen Geschehen Berns und einen übersichtlicheren Programmteil. Das megafon ist in dieser Zeit ein Themenheft, das sich jeweils einem spezifischen Thema vertieft widmet. Es entsteht nun auch eine Website mit einem Archiv als Herzstück.

2014 ist das megafon wieder an einem Scheideweg: Das Heft wird für ein halbes Jahr eingestellt, um in einem offenen Prozess mit alten und neuen Redaktor*innen die Zukunft zu diskutieren. Seit Oktober 2014 erscheint das megafon in seiner bis heute aktuellen Form – immer noch monatlich, thematisch aber diverser und in neuem Format. Mit der neuen Webseite, mit Twitter und Instagram ist das megafon seit 2019 auch in der tagespolitischen Auseinandersetzung zurück.

Das megafon versucht, den politischen Diskurs in Bern mit kritischer, unabhängiger und anwaltschaftlicher Berichterstattung mitzuprägen: Es soll denjenigen die Stimme zurückgeben, die von bürgerlichen Medien und parlamentarischer Politik ignoriert werden.

Das megafon ist aber auch ein Experimentierraum: Ein Spielplatz für Menschen, die Lust haben, zu schreiben und Texte zu publizieren, die Einblicke in redaktionelle Abläufe erhalten möchten, die gerne layouten und illustrieren – und das basisdemokratisch organisiert und ehrenamtlich.

Das megafon sind wir: Ein Kollektiv aus 18 Menschen, mal mehr, mal weniger.

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